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Die Kunst des Blockings. Oder: Wie man den Zuschauer zwingt nur dahin zu schauen, wo er auch hinschauen soll
03
Jan 2017

Die Kunst des Blockings. Oder: Wie man den Zuschauer zwingt nur dahin zu schauen, wo er auch hinschauen soll

In einer Zeit, in der immer neue Unterhaltungstechnische Möglichkeiten wie Augmented Reality oder Virtual Reality auf den Markt strömen, fehlt das Blocking. Was heißt das? Es herrscht weniger ein technischer Mangel, sondern eher ein Mangel an Erfahrung und Ideen, diese Technologien geschickt einzusetzen. Steven Spielberg himself hat unlängst an der Virtual Reality Erfahrung kritisiert, dass der Regisseur hier sehr viel Kontrolle aus der Hand gibt – das Blocking wird also schwieriger. Vor allem, wenn es darum geht, den Blick des Zuschauers zu lenken. Dabei ist er selber ein Großmeister darin, diesen Blick auch in sehr belebten, detailreichen Szenen zu lenken.

Gruppentreffen im Film "Der Weiße Hai" - Beispiel für Blocking
Quelle: Der weiße Hai – viewandreview.com

In dieser Szene aus Der weiße Hai fällt ein Mann besonders ins Auge. Nicht nur, weil er der Held des Films ist, wir ihn schon rund 30 Minuten verfolgen (bitte nicht stoppen!) und er der größte auf dem Filmplakat war. Und dabei befinden sich 29 weitere Personen im Raum (bitte nicht zählen!). Aber sie sind eng aneinander und im Kreis um ihn herum angeordnet. Unser Held befindet sich also im Zentrum und hat zudem mehr Raum als alle anderen. Außerdem schauen alle anderen Protagonisten ihn an. Und da wir als Menschen nun mal neugierig sind, schauen wir generell immer erst dahin, wohin die Mehrheit der im selben Raum befindlichen Leute schaut – eine klassische Blocking-Methode.

Ist das wirklich alles? Ich blocke gleich diesen Blog!

Meeting im Film "Der Weiße Hai" - Beispiel für Blocking
Quelle: Der weiße Hai – viewandreview.com

Auch wenn es nur ein Standbild ist ohne Bewegung und nicht ganz so eindeutig: Welchen Charakter sollen wir wohl in diesem Gegenschuss oben im Auge behalten? Den Mann im Khaki-farbigen Sakko. Er fällt einfach  am meisten auf. Zieht man an den Köpfen entlang eine imaginäre Linie, so merkt man, dass er leicht erhöht ist. Auch die Farbe lenkt durch ihre Andersartigkeit den Blick auf sich. Zudem ist er als einzige Person seitlich beleuchtet. Schaut man sich diese Person im Bild vorher an, merkt man, dass sie eigentlich schon da als Gegenspieler mit genau den gleichen Mitteln eingeführt wird.

Blocking: Kombinationsmöglichkeiten bis zur Unendlichkeit. Und noch viel, vieeel weiter…

Gleichsam kann auch Bewegung genutzt werden, um Personen oder Gegenstände aus einer detailreichen Szene hervorzuheben. Oder diese werden einfach größer abgebildet, damit sie nicht permanent mit einem leuchtenden Neonpfeil als wichtig gekennzeichnet werden müssen. Schärfe und Unschärfe können uns zudem einen zukünftig wahrscheinlich interagierenden Spielraum andeuten. Wer spielt hier wohl gleich einen genialen Hammer-Pass an wen?

Blocking im Tarox-Film von camalot media
Quelle: Imagefilm für Tarox (camalot media)

Wahnsinn mal wieder, wie wir hier den ganz großen Erzählmeistern im Vorbeisprinten noch etwas Neues zeigen können. Aber aaaaahhh, wir haben den Faden völlig verloren, denken Sie? Mitnichten, denn diese Mittel werden in den neuen, visuellen Erzähltechnologien umso stärker bedacht und geschickt eingesetzt werden müssen. Jedenfalls, wenn man nicht riskieren möchte dass der Zuschauer wichtige Erzähl- oder Erklärelemente völlig verpasst. Puhh, das war knapp!

Wer noch mehr gute und auch schlechte Beispiele dazu sehen möchte, schaut hier:

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